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Global
Heroes
Die Outpost im Industriegebiet von Göttingen ist ein trister Betonklotz, in dem früher Arbeiter schufteten und heute mehr oder weniger bekannter Künstler schwitzen. Dreimal die Woche tanzen Studenten aus der Stadt und Jeansjacken aus den benachbarten Dörfern bierselig zu Musikkonserven und essen im hauseigenen Imbiss fettiges Fleisch. Hier fand 1996 das Finale des niedersächsischen Musikwettbewerbs "Local Heroes" statt. 1.015 Bands schickten sich und ihre Demo-Kassetten ins Rennen, Sieger zum Schluss war die Gruppe mit dem komischsten Namen: die Guano Apes, die seit zwei Jahren in Klubs zwischen Hannover und Kassel aufgetreten waren, "nur so aus Spaß", wie Sängerin Sandra Nasic (*25.5.76), die Tochter aus einer kroatisch-deutschen Ehe, betont. Das Quartett, das in einer von Bassist und Tischlerlehrling Stefan Ude (*14.10.74) ausgebauten Scheune auf einem Bauernhof bei Göttingen seinen Proberaum eingerichtet hatte und dort nicht nur gewissermaßen zwischen Schafen und Schweinen spielte, gewann 70.000 Mark als Zuschuss für eine Studioproduktion. Als im Sommer 1997 die Aufnahmen in Hannover begannen, ahnte keiner, dass hier eine potenzielle Sensation rumblödelte. Produzent Wolfgang Stach fand die ersten Sessions "nervig wie eine Klassenfahrt". Die Äffchen machten, was sie wollten, und die Plattenfirmen standen vor der Studiotür Schlange. Am 22.8.97
erschien die erste Single "Open Your Eyes". Noch so mancher
lästerte, die Göttinger seien nicht mehr als eine verspätete
Crossover-Kopie, angeschrien von einer Sängerin, die Shirley Manson
(Garbage), Skin (Skunk Anansie) und Gwen Stefani (No Doubt) zugleich sein
wolle. Als "Open Your Eyes" und das erste Album "Proud
Like A God" selbst Monate später immer noch wie frisch aufgebackene
Brötchen über die Ladentheken wanderten, mussten die letzten
Zweifler verstummen und die Guano Apes als die deutsche Band akzeptieren,
die das erfolgreichste englischsprachige Debütalbum veröffentlicht
hatte. In Zahlen: Zwei Millionen Alben haben die Guano Apes bisher weltweit
verkauft, davon 800.000 in Deutschland. Zwei ihrer Singles sind für
ihre jeweils 300.000 Käufer vergoldet worden - "Open Your Eyes"
und "Loards Of The Boards", letzteres eine Auftragsarbeit für
die Snowboard-EM in Fieberbrunn, Österreich, die der "absolut
nicht sportlichen" Band den Ruf einbrachte, eine Snowboarder-Band
zu sein. "Das lag uns lange schwer im Magen", lächelt Gitarrist
Henning Rümenapp (*23.4.76) gequält. 1998 WAREN DIE GUANO APES VOR ALLEM DAMIT beschäftigt, Interviews zu geben, sich für Auszeichnungen zu bedanken (Comet, Echo) und unter freiem Himmel Krach zu schlagen - bei allen bedeutenden europäischen Festivals. Dennoch fanden die lokalen Helden Zeit, im August beim "Altstadtfest" in Göttingen auf der Bühne der "Outpost" zu spielen, "weil Göttingen", so Drummer Dennis Poschwatta (*22.7.74), "unsere Heimat ist und weil wir hier großgeworden sind". Von der "Outpost" auf die großen Bühnen Europas und zurück - das reichte den Guano Apes nicht. Am 20.3.99 gaben sie ihr erstes Konzert auf amerikanischem Boden, in Austin, Texas, bei der "South To Southwest"-Musikmesse. Im Oktober wurde "Proud Like A God" auch im Kreuzübermutterland veröffentlicht - wo es immerhin Platz vier in den Alternative Charts erklomm. Im November und Dezember tourten die Guano Apes im Paket mit P.0.D. von Minneapolis über Philadelphia und Atlanta bis nach Sacramento. Dann, nach "immerhin zehn Tage Pause", beugten sie sich dem Willen Herbert Grönemeyers und nahmen Alphavilles Heulhit "Big In Japan" für "Herbies" Cover-Projekt "Pop 2000" hart neu auf. Was folgte,
war die große Leere, als die Erfolgsverwöhnten neue Songs schreiben
wollten. "Wir waren ausgebrannt", erinnert sich Henning. Große
Band, was nun? Die einfallslosen Affen flüchteten. Sie mieteten ein
Holzhaus in Dänemark, räumten das Ferienmobilar raus, ihre Instrumente
rein und spielten drauflos, einfach so, wie einst auf dem Bauernhof. Henning:
"Wir haben es in den zehn Tagen geschafft, uns klarzumachen, für
wen wir überhaupt Musik machen. Das wäre zu Hause nicht gegangen,
denn da muss der eine um drei weg, der andere hätte schon lange weg
sein müssen." Und nachdem sie DAT-Band um DAT-Band mit "Kram
gefüllt" hatten, stellten die glücklich Entblockierten
fest, "dass tatsächlich neue Ideen dabei waren". Ideen,
aus denen im Galaxy Studio in der belgischen Provinz das zweite Album
"Don't Give Me Names" gebastelt wurde. Kaum war das fertig,
zwei Jahre und acht Monate nach dem Debüt, gingen die vier dahin
zurück, wo sie am besten sind - auf die Bühne. Für zwei
Termine ging es Mitte März nach Portugal. Und bis 10. Mai werden
die Göttinger dort sein, wo sie noch ganz groß werden möchten,
in den USA, diesmal mit Creed - auf Wunsch der Post-Grunger aus Florida.
Dann kehren sie dorthin zurück, wo alles begann. Von den Staaten
zurück in die "Outpost"? Nicht ganz, am 24.5. spielen
die Guanos wieder in Göttingen - in der Stadthalle.
HENNING
RÜMENAPP und STEFAN UDE Wie
real ist der Erfolg für euch?
Autor:
Andreas Boer (Dank an Thor!) |