MARK YOUR QUESTION!
GUANO APES

Vorhang auf für die erste Runde unserer bereits seit längerer Zeit angekündigten neuen Rubrik, in der sich die GUANO APES als erste Band euren bohrenden Fragen stellt. Sängerin Sandra Nasic und Bassist Stefan Ude nahmen sich alle Zeit und Muße, um sich mit eurem Wissensdurst ausführlich auseinanderzusetzen.

Sven Präger, 68307 Mannheim:
Was habt ihr empfunden, als ihr das erste Mal einen Song von euch im Radio gehört oder euer Video gesehen habt?
Sandra: "Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr richtig daran erinnern. Aber das zählte in jeden Fall auch zu den überschwappenden Gefühlen, die im letzten Jahr auf uns einbrachen - klar, das war schön."
Stefan: "Also, ich komme nun mal vom Land, wo man das Radioprogramm sowieso vergessen kann. MTV gibt es nur über Satellit, und VIVA bzw. VIVA 2 überhaupt nicht. Deswegen freue ich mich eigentlich immer, wenn ich eines unserer Videos sehe..."

Kathleen Jung, 49088 Osnabrück:
Glaubt ihr, daß ihr durch euren Erfolg wegbereitend für deutsche Bands sein könnt, einen Trend gesetzt habt?
Sandra: "Es hat sich gezeigt, daß in Abständen von ein paar Jahren immer wieder einige deutsche Bands hochgekommen sind, z.B. die H-BlockX. Klar, dann richtet sich das Interesse der Medien auf diese Bands, und es kann passieren, daß daraus dann ein neuer Trend gemacht wird."
Stefan: "Ich denke nicht, daß wir jetzt einen richtigen Trend gesetzt haben. Es gibt eine ganze Menge Bands wie uns. Ich denke, wir hatten einfach nur das Glück, daß wir es geschafft haben - aus welchen Gründen auch immer. Die Leute wollen wohl auch ab und zu ein Gegengewicht zu diesen ganzen Dance-Sachen haben, an denen wirklich nichts real ist."

Pedro Passeto per E-Mail:
Versteht ihr euch als moderne Crossover-Band?
Sandra: "Wir haben schon immer gesagt, daß wir Crossover machen, weil das einfach die beste Erklärung für unsere Musik ist: keinen eingefahrenen Weg haben, Songs zu schreiben, sondern sich aus verschiedenen Musiksparten etwas herausziehen. Wir lassen uns nicht einengen. Daß Crossover ein ausgelutschter Begriff ist, der irgendwann mal trendy war und jetzt nicht mehr, dafür können wir ja nichts. Ich hoffe, daß die Band mit der Musik für sich selbst steht. Wenn ich Maler bin, bin ich Maler, mehr braucht man nicht zu wissen,

Florian Hacker, 74074 Heilbronn:
Steht ihr jetzt mit dem kommenden Album unter Erfolgsdruck? Wieviel Einfluß hat die Plattenfirma auf die Produktion?
Stefan: "Die Freiheiten sind nach wie vor da: Wir haben keinen festen Termin gesetzt bekommen, wann das Album fertig sein muß. Es ist sogar so, daß wir uns selbst produzieren dürfen. Wir machen erst mal die Aufnahmen, und wenn das dann fertig ist, kann es sein, daß noch ein 'richtiger' Produzent hinzugezogen wird, der dann zwei, drei Songs, die ein gewisses Hit-Potential in sich bergen, noch einmal bearbeitet."

Anna Wisnicki per E-Mail:
Ich habe im Internet gelesen, daß eure Platte jetzt auch in den USA veröffentlicht werden soll. Könnt ihr euch vorstellen, daß ihr dort ähnlich erfolgreich werdet wie Rammstein?
Sandra: "Ich denke, daß die Möglichkeiten für europäische Acts in Amerika schon begrenzt sind. Die Amis lassen eher eigene Bands in die Höhe ragen als Bands aus Deutschland oder sonstwoher. Aber wir haben jetzt die Chance, also werden wir sie auch nutzen; einfach rüberfliegen, ein paar Konzerte spielen, und dann schauen, was passiert..."

Peter Heidringer, A-8020 Graz:
Eigentlich geltet ihr ja als sehr sportliche Band. Im Video sieht es jedoch nicht so aus, als ob ihr snowboarden könntet.
Stefan: "Wir sind absolut nicht sportlich, wir haben auch nichts mit Snowboarding zu tun, außer daß Sandra vielleicht mal einen Berg runterfährt. Das haben einfach nur die Medien in die Welt gesetzt, damit sie irgendwas zu schreiben haben."
Sandra: "Wir haben das 'Lords of The Boards'-Video extra so gedreht, daß man sieht, daß wir völlig dilettantisch auf den Brettern stehen. Da wird wohl jedem klar, daß wir das nicht können."

Carola Schurmann, 34128 Kassel:
Habt ihr einen Ausrüstervertrag mit einer Klamottenfirma, wie zum Beispiel Korn?
Stefan: "Nein, aber wir sind auch nicht sehr markenbewußt."

Martin Witzler 89077 Ulm:
Warum gibt es zwei Versionen von dem "Lords Of The Boards"-Video?
Stefan: "Es gibt sogar drei, aber daran haben wir keine Schuld. Erst gab es die Version, in der man uns bei diversen Festivalauftritten gesehen hat. Dann hat der oberste Boß der 'BMG', der wohl begeisterter Snowboard-Fan ist, in Eigenregie veranlaßt, daß ein Video aus lauter Sprung- und Stuntszenen sowie schönen Landschaften montiert wird."
Sandra: "Das war wirklich schlecht, das hatte überhaupt nichts mit uns zu tun. Da hätte man auch auf Eurosport zappen und unsere CD dazu laufen lassen können."
Stefan: "Das lief aber zum Glück nur eine Woche, weil wir sofort gesagt haben, daß wir ein Video möchten, in dem auch die Band zu sehen ist, also haben wir noch eins gedreht."

Sven Hasselfeldt, 39110 Magdeburg:
Wer hat den Text mit dem kleinen grünen Männchen zu "Lords Of thc Boards" geschrieben? Den finde ich nämlich ziemlich dämlich im Gegensatz zu den anderen.
Sandra: "Was soll ich denn jetzt sagen? Wenn er ihn doof findet, findet er ihn eben doof da kann ich auch nichts machen. Nächste Frage."

Britta Jurumbiak, 25335 Elmshorn:
Habt ihr euch mal überlegt, auf deutsch zu singen?
Sandra: "Ja, sicherlich. Als wir auf Tour waren und ein bißchen gejammt und gespielt haben, sind auch deutsche Texte dabei herausgekommen. Ich finde, auf deutsch zu schreiben, erfordert sogar noch viel mehr Denkarbeit als auf englisch. Es ist leicht, sich auf englisch auszudrücken, da kannst du von einem Schuh singen, und es klingt toll."

Heiner Meissner per E-Mail:
Ihr spielt ja nunmehr fast nur noch in großen Hallen und auf Festivals. Wünscht ihr euch mittlerweile nicht die kleinen gemütlichen Clubs zurück?
Stefan: "Manche unserer Auftritte finde ich tatsächlich zu groß, da kommt das alles dann nicht mehr gut rüber, weil man keine Nähe mehr zum Publikum hat. Und wenn dann noch ein Graben gezogen ist, dann ist irgendwie alles kaputt. Es kommt keiner mehr auf die Bühne, und wenn es dann doch mal einer schafft, wird er gleich niedergeknüppelt, Das finde ich echt zum Kotzen. Wir fahren in Kürze nach Polen und werden da in kleinen Clubs spielen, in die vielleicht 500 Leute reinpassen, da freue ich mich schon tierisch drauf."

Thorsten Malbach, 95444 Bayreuth:
Wie steht es um euer politisches Engagement? Ist es schon mal passiert, daß versucht wurde, euch für politische Zwecke zu instrumentalisieren?
Sandra: "Wir haben einmal den Fehler gemacht und auf einem Gewerkschafts-Festival gespielt."
Stefan: "Ja, das war wirklich furchtbar. Wir haben natürlich alle eine politische Meinung, aber wir wollen das nicht mit der Musik ausdrücken. Das ist nicht unser Stil. Da gab es dann eine Pressekonferenz, bei der wir dann irgendwann gesagt haben: 'Ab hier nicht mehr weiter, da müßt ihr uns privat fragen und nicht als Band.'"
Sandra: "Wenn du verschiedene Meinungen in einer Band vertreten hast, kannst du dich ja nicht als Einheit hinstellen und sagen: 'Diese Meinung vertreten wir!' Wir sind eigentlich nur wegen der Musik und der Leute, die uns sehen wollten, zu diesem Gewerkschafts-Festival hingegangen. Ich will den Leuten im Publikum ihre Meinung und die Entscheidung überlassen, was sie wählen. Wir sind keine politische Band. Ich setze mich lieber für Tiere ein als für Politik, die für Menschen gemacht wird. Das ist mir heiliger als so ein Scheiß..."

Jill Farg, 46117 Oberhausen:
Ist jemand von euch Vegetarier?
Sandra: "Das nun nicht. Ich finde das ziemlich schwierig. Ich würde ab und zu gerne vegetarisch leben, aber ich denke, es ist ein zu großer Zeitaufwand. Man muß stark aufpassen, daß man nicht abdünnt, wenn man kein Fleisch zu sich nimmt. Ich gebe zu, ich esse auch hier und da mal eine Currywurst."

Doreen Marschall, 19057 Schwerin:
Ich habe bereits ein paar Interviews gelesen, in denen Sandra sagte, daß sie Lust hätte, sich für Nacktfotos auszuziehen. Könntest du dir vorstellen, so etwas auch für eine Tierschutzorganisation wie
PETA zu machen, so wie Thumb und Thomas D. es bereits gemacht haben?
Sandra: "Nun, ich habe mir das mal überlegt und solche Angebote waren auch da, aber ich habe mich noch nicht entschieden. Für PETA könnte ich mir das auch sehr gut vorstellen, aber momentan muß ich ehrlich sagen, daß ich sowas eigentlich überhaupt nicht will. Das paßt nicht zu mir. Ich weiß nicht, vielleicht in ein paar Jahren..."

Jochen Traufliger. 46569 Hünxe:
Nervt es die anderen in der Band, daß Sandra in den Medien meistens im Vordergrund steht? Und wie empfindet das Sandra selbst?
Stefan: "Nicht richtig. Ich bin sowieso ein bißchen medienscheu mich interessiert das nicht, ob ich da drin stehe oder nicht. Und die anderen: Nun, bei Dennis kann ich mir schon vorstellen, daß er ein kleines Problem damit hat, er steht halt auch gerne mal im Vordergrund. Aber ich bin froh, wenn sie mich in Ruhe lassen, ich brauche das nicht."
Sandra: "Mich nervt das manchmal schon. Aber als Frontfrau ist das nun mal so, ich bin da ja nicht die erste, der das passiert, und diesem Umstand muß man sich auch stellen. Wenn es Interesse gibt, dann stehe ich zur Verfügung, ich kann ja auch nicht wirklich dichtmachen."

Katja Sacking 58095 Hagen:
Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, was ihr nach den Guano Apes macht?
Sandra: "Von uns hat jeder was im Auge, was passiert, wenn das mit der Musik nicht mehr alles ist. Ob im Musikgeschäft oder nicht - wer weiß?"
Stefan: "Ich kann mir nur vorstellen, mit einer anderen Band zu spielen. Aber Produzent oder Manager? Nein danke. Die Leute, mit denen du dich dann in diesem Business abplagen mußt, sind so Scheiße, das könnte ich überhaupt nicht leiden."

Sarah Bernstein, 94036 Passau:
Kommt ihr euch nicht manchmal doof vor, wenn ihr euch mit den Boyz, 5ive oder Blümchen die Bühne teilt?
Sandra: "Allerdings."
Stefan: "Also Blümchen habe ich zwar noch nicht persönlich kennengelernt, aber ich finde das gut, wie die ihre komische Musik straight durchzieht."
Sandra: "Als wir auf der 'Bravo-Super-Show' waren, haben Dennis und ich uns schon über die ganze Sache mokiert: lauter gecastete Hauptschüler, die schon mit 15 den supermuskulösen Körperbau haben und sich Selbstbräuner ins Gesicht schmieren - das war schon alles sehr komisch. Aber dann gibt es natürlich auch einige Figuren, die sind wirklich interessant. DJ Bobo zum Beispiel. Ich meine, das ist kein doofer Mann, der weiß schon ganz genau, was er tut."

Henri de Lurane, 14473 Potsdam:
Wie sah für euch ein typischer Tag vor zwei Jahren aus und was hat sich verändert?
Stefan: "Vor zwei Jahren habe ich gerade meine Tischlerlehre gemacht, mit allem Drum und Dran: Freitags wurde schön der Hof gefegt und die Werkstatt saubergemacht. Das habe ich auch noch bis letztes Jahr im Januar so gemacht, weil ich meine Ausbildung abschließen wollte. Ich finde diesen Job mindestens genauso gut wie Musiker zu sein, ich mache das momentan auch noch gerne nebenbei."
Sandra: "Ich habe vor zwei Jahren wie eine Irre gezeichnet und mich mit meiner Mappe bei allen möglichen Kunsthochschulen beworben, um Grafikdesign zu studieren."

Frank Lunker, 73037 Göppingen:
Seht ihr noch oft eure alten Freunde?
Sandra: "Ja sicher, das ist doch unheimlich wichtig. Gute Freunde bleiben immer, ob du Erfolg hast, oder nicht. Meine Freunde interessiert das noch nicht einmal, was ich mache. Wenn ich die jetzt gleich treffe, heißt es nicht: 'Und, wo warst du? Was hast du gemacht?' Dann wird da weitergemacht, wo man vorher aufgehört hat. Das empfinde ich als sehr angenehm."
Stefan: "Bei mir ist das so, daß die Freundschaften eigentlich noch intensiver und besser geworden sind."

Petra Mondano, 66111 Saarbrücken:
Wie verkraften es eure Partner, daß ihr viel unterwegs seid und ständig im Mittelpunkt steht?
Sandra: "Das ist nicht angenehm. Man verlangt schon viel von dem Partner, aber mittlerweile wissen die ganz genau, wie das ist, wenn man auf Tour ist, wie unser Tagesablauf aussieht, und die haben sich da schon gut drauf eingestellt. Ich denke, da kann ich für alle sprechen. Es ist nicht so, daß die das alles nicht auch nerven würde, aber jeder hat nun mal einen Job."
Stefan: "Ab und zu nehmen wir sie mal mit, dann sind die auch ganz glücklich und freuen sich."

Kai Walko, 44791 Bochum:
Nach eurem Konzert in Essen vor eineinhalb Jahren habe ich mit Jimmy Pop Ali von Bloodhound Gang geredet, und er hat gesagt, daß er Sandra heiraten will. Und, wann ist es endlich soweit?
Sandra: "Mich heiraten? Der war bestimmt voll. Ich dachte, der steht auf Männer, in dem 'Fire Water Burn'-Video ist er ja mit einem alten Knacker unterwegs. Das war bestimmt nur ein Gag, die sind ja schließlich alle ziemlich durchgeknallt."

aus: VISIONS 4/99
aufgezeichnet von:Ingo Neumayer

Danke an Thoralf
für die OCR-Arbeit.