Noch keine S-Klasse.
Der Gewinn des Local-Hero-Wettbewerbs 1996 war für die Göttinger Band Guano Apes der Anfang. Es folgten der Sieg auf Landesebene, ein Plattenvertrag, Videos für Musikkanal Viva und eine Deutschlandtournee, die das Quartett jetzt wieder zurück an die Leine führt. Tageblatt-Mitarbeiter Jörg Kruse sprach mit Sängerin Sandra Nasic und Schlagzeuger Dennis Poschwatta.
In der Outpost (Club in Göttingen) fing alles an. Mit was für einem Gefühl kommt ihr jetzt zurück auf die Biihne?
Sandra: Mit einem total schönen. Für uns ist es fast der Abschluß der Tournee, nachdem wir zwei Monate unterwegs waren. Da werden viele Freunde sein. Es wird mehr eine Party als ein normaler Auftritt sein.
Kann euer Erfolg und der von Vivid eine Sogwirkung für andere Bands aus dem Göttinger Raum haben?
Sandra: So wie in Seattle? (lacht) Ich glaube nicht. Aber wenn es mehrere gute Bands in einer Region gibt, dann färbt das auch ab, und Plattenfirmen schauen eher mal, was es da noch so gibt.
Dennis: Es gibt ja ein paar Bands, die auf dem Sprung sind. Dump zum Beispiel sind tierisch am Suchen. Die machen ihr Ding auch echt Klasse. Aber in einer großen Stadt gibt es natürlich mehr Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen.
Mit dem Erfolg steigen auch die Ansprüche. In Kritiken ist neuerdings zu lesen, ihr wärt eine Viva-Band ohne Ecken und Kanten.
Sandra: Oh nein, so ein Schwachsinn! Das kommt natürlich daher, daß auf Viva zu 90 Prozent nur Scheiß läuft. Aber als Pauschalurteil ist das dämlich.
Dennis: Solche Leute machen es sich zu einfach. Wir sind im Laufe der Zeit noch besser und homogener im Zusammenspiel geworden, aber nicht gerade kommerzieller.
Wie erfolgreich seid ihr eigentlich - in Zahlen?
Dennis: Wir stehen kurz vor den Charts. Man muß zur Zeit so 4000 Platten pro Woche verkaufen, um hineinzukommen, und wir stehen so bei 3000 bis 3500. Ich kann mir diese Dimension noch gar nicht vorstellen. Manchmal denke ich: Mein Gott, wer kauft denn das alles? Was sind das für Leute?
Konnt ihr von der Musik leben?
Sandra: Nein. Ich wohne noch bei meiner Mama. Ich könnte mir keine Wohnung leisten.
Dennis: Wir sind so auf einer Zwischenstufe. Vielleicht können wir im nächsten Jahr davon leben, wenn alles gut läuft. Ich werde von meinen Eltern unterstützt. Anders würde es im Moment nicht gehen.
Das habe ich mir bei einer Band, die ständig im Fernsehen ist, aber anders vorgestellt. ..
Dennis: Das habe ich früher auch nicht gedacht. Aber es ist nicht so, daß ich mir schon die S-Klasse vor die Haustür stellen kann. Sandra: Die würde ich sowieso nicht fahren.aus:
GÖTTINGER TAGEBLATT 18. Dez. 97
Gesprächspartner & Text: Jörg Kruse